Taizé-Gebet Vlotho

Taizé 2008

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Taizé 2008

(UKK). Die Jugendlichen der letzten beiden Jahre waren mittlerweile durch Schule und Studium anderweitig "ausgebucht", und so kam keine Gruppen-Fahrt zustande. Dies ermöglichte mir, das zu tun, was ich bereits im Jahr zuvor gern hatte erleben wollen: ganz allein mit dem Auto nach Taizé fahren, dort im sog. "Erwachsenen-Bereich" - fahrten2008-insilence1den ich lieber als "Oldie-Bereich" bezeichne, denn wer ist schon erwachsen ...? - mein Zelt neben meinem Auto aufschlagen und ein Mal Taizé ganz für mich erleben. Aber allein am Steuer wollte ich die 1000-km-Tour nicht ohne Unterbrechungen hinter mich bringen, und so näherte ich mich in den Tagen zuvor in mehreren Etappen meinem Ziel, bis ich die letzte Tour durch Frankreich am letzten Tag schaffte. Leider hatte ich nicht einkalkuliert, dass jede dieser Etappen bei lange vermissten Freunden und Verwandten zu unendlich vielen Gesprächen führen würde. Ich kam in Taizé an und war erschlagen von diesen vielen Menschen! Stimmen waren von überall her zu hören - und ich sehnte mich nur noch nach Ruhe. Nicht mehr reden und zuhören. Stille.

Diese Möglichkeit kann man in Taizé wählen - jederzeit: Ausstieg aus der Kommunikation und Einstieg ins Schweigen und die Stille. Die Mahlzeiten werden in einem abgesonderten Bereich ausgeteilt: jeder steht ruhig in der Schlange, kein fröhliches Geschnatter mehr an der Essensausgabe. Und auch die Bibelarbeiten werden in diesem Stille-Bereich für diese besondere Gruppe inhaltlich angepasst.

Ich wartete noch einen Tag. Angekommen war ich ausnahmsweise nicht am Sonntag, sondern am Samstag. Und am Sonntag nach dem Gottesdienst traf ich den einzigen Vlothoer Jugendlichen, der in diesem Jahr in Taizé war. Yannick hatte eine Woche in der Stille verbracht und hatte noch eine Stunde Zeit, bevor er in seinen Bus stieg.

fahrten2008-insilence2Danach verabschiedete ich mich für die nächsten Tage von meinen Freunden: die Freudenberger, die wieder mit ihren Jugendlichen da waren, und die britischen Freunde, die ebenfalls mal wieder die gleiche Woche gewählt hatten wie wir. Von nun an winkten wir uns nur noch zu, wenn wir uns trafen. Es gab eine lange Gesprächspause.

2007 hatte mir einen Vorgeschmack gegeben. Aber in 2008 traf mich das Wetter noch viel härter - und allein. In jeder Nacht prasselte der Regen aufs Zelt und der Donner knallte über den Platz. Und warum lag ich nicht auf einer LUFT-Matratze, sondern auf Schaumstoff? Ich hatte das erste Mal in meinem Leben Angst bei Gewitter.

Für einen Menschen, der es liebt zu schreiben und dazu täglich eine Tastatur benötigt, ist das Entbehren eines Stromanschlusses für den Laptop eine echte Herausforderung. Meine inzwischen erfolgten Recherchen haben ergeben: eine Zeitspanne von einer Woche lässt sich mit keinem noch so großen Akku überbrücken! Also bleibt einem schreibenden Menschen nur der inzwischen ungewohnte Griff zu Papier und Kuli oder Bleistift oder Füller. Ich hatte nicht wirklich erwartet, dass mich dies zufrieden stellen würde. Aber Taizé ist immer wieder für Überraschungen gut.

Taizé 2008 - das war für mich ...

... eine willkommene Zeit des Alleinseins, der Stille, des Schreibens und Lesens und des Gebets.

Und ich wusste: (fast) genau so will ich Taizé 2009 erleben.

Ute Kersten-Keune

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