Taizé-Gebet Vlotho

Frère Roger

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Wie viel muss über Frère Roger gesagt werden? Ganze Bücher lassen sich füllen (und wurden gefüllt) mit Schilderungen und Aussagen über sein Leben und über die Bedeutung des Versöhnungsweges, den er voran-gegangen ist. (1, 2, 3, 4) Noch mehr Bücher hat er selbst geschrieben und uns hinterlassen. Und die Website aus Taizé ist die erste Adresse, sich über Frère Roger kundig zu machen.

Wenn also hier auf dieser Seite über Frère Roger geschrieben wird, so ist dies eine sehr persönliche Auswahl von Aspekten seines Lebens, die sich noch nicht einmal bemüht, ein vollständiges Bild vom Leben dieses Menschen zu zeigen.

 

Ökumenische Berufung

Roger Schutz entstammt einer evangelisch-reformierten Familie. Und er hatte eine ökumenische Basis: seine evangelische Großmutter ging – aus Prinzip – regelmäßig in eine katholische Kirche.

Sein Vater – evangelischer Pfarrer – war häufig zfrereroger02u katholischen Gottesdiensten gegangen. Und so war Frère Roger schon immer mit der Fülle christlichen Glaubenslebens vertraut. Er wuchs auf in einer Atmosphäre, die keine konfessionellen Kämpfe kannte. Und: er hatte beide Seiten kennen und lieben gelernt. Er war nicht bereit, sich zu entscheiden. Er blieb Zeit seines Lebens Mitglied der protestantischen Kirche, nie ist er zur römisch-katholischen Kirche konvertiert, dies wäre für ihn nie in Frage gekommen.

Frère Rogers Großmutter hatte gesagt: Die getrennten Christen haben sich in Europa mit Waffen bekämpft - wenigstens sie sollen sich versöhnen und sich bemühen, einen weiteren Krieg abzuwenden.(1) Sie stammte aus einer urevangelischen Familie, begann aber, durchdrungen vom Geist der Versöhnung, in die katholische Kirche zu gehen. Dadurch vollzog sie eine Versöhnung ohne Aufschub."(1) Ein Aufruf zur Konversion? Ganz sicher nicht. Vielmehr beschreibt Frère Roger den Schlüssel zur eigenen ökumenischen Berufung: ... ich fand meine Identität als Christ darin, in mir den Glauben meiner Ursprünge mit dem Geheimnis des katholischen Glaubens zu versöhnen, ohne mit irgendjemandem zu brechen.(1)

Gott kann nur lieben

Angesichts dessen, was tief in unseren christlich geprägten Herzen verwurzelt ist - ob kirchlich oder freikirchlich - erscheint diese schlichte Aussage unvollständig: da war doch noch was mit dem Jüngsten Gericht, mit Hölle und Fegefeuer ... und so einfach kann man es sich doch wohl nicht machen ...

frereroger03Es erscheint merkwürdig, dass wir, christlich sozialisiert, singen und sprechen können von der Liebe Gottes (Gott ist die Liebe), und sich dennoch Widerspruch in uns regt bei dieser provozierenden Formulierung: Gott kann nur lieben.

Frère Roger hatte die Vision eines Gottes, der nur lieben kann. (6, S. 105) Im Evangelium konnte er keine Drohungen finden, keine Einschüchterungen, keine Angst. Für ihn war diese Aussage über die Liebe Gottes das Wesentliche des Glaubens. Dies hat er schlicht und klar und verständlich weitergegeben.

Wenn Gott nur seine Liebe schenken kann, dann ist das schlichte Annehmen dieser Liebe das "Paradies". Diese Liebe abzulehnen ist die Entfremdung von allem, was Gott uns schenken will und kommt dem gleich, was wir "Hölle" nennen.

Auch wenn diese Gedanken bereits im 7. Jahrhundert von Isaak dem Syrer formuliert wurden, sind sie über die Jahrhunderte doch in weiten Bereichen christlicher Praxis und Erziehung so untergegangen, dass in uns die Bilder von Strafe und Hölle gegenwärtig sind. Können wir ermessen, wie groß Frère Rogers Geschenk an ein halbes Jahrhundert junger Menschen ist, die diese christliche Botschaft neu gehört haben?

Gott will, dass wir glücklich sind

Dies schließt sich daran an und klingt ebenso unvertraut. Sind wir es im "christlichen Lager" nicht gewohnt, die Suche nach (persönlichem) Glück in die Nähe von Egoismus zu rücken - die Quelle allen Übels? Und nun ist da einer, der dies immer wieder betont: Gott will uns glücklich sehen. Wir dürfen glücklich sein. Wir sollen glücklich sein.

frereroger04Dass uns die "Glücksforschung" heute wissen lässt, dass Glück keineswegs dauerhaft durch die Anhäufig materieller Möglichkeiten zu erreichen ist, sondern durch das Einverstandensein und die Zufriedenheit mit unserem Leben, mag hilfreich sein, dies zu verstehen. Dass Menschen unabhängig von Krankheit und Leid höhere "Glückswerte" haben als diejenigen, die sich aufs Jammern und Klagen verstehen, erscheint dann auch plausibel.

Und dann ist der Gott, "der nur lieben kann", derjenige, der uns ermutigt, unser Glück zu ergreifen und zu leben. Dankbar anzunehmen.

Verzeihen

Frère Roger starb am 16. August 2005. Während des Abendgebets wurde er in der Kirche der Versöhnung von einer wohl psychisch kranken Frau getötet. Wenige Augenblicke später stimmte einer der Brüder "Laudate omnes gentes" an. Ein Aufruf zum Lob, das alle Völker singen sollen, ist das die richtige Antwort? Ist jetzt nicht vielmehr die Zeit für ein Klagelied gekommen oder doch zumindest ein Trauerlied, und wenn nicht dieses, dann wenigstens ein Lied, frereroger05das tröstet? Und dennoch, das Lob erfüllte den Raum, alle nahmen seine Worte auf, und vielstimmig erklang es in der Kirche.(5, S. 12)

Frère Alois, der Nachfolger des Gründers von Taizé, betete bei Frère Rogers Begräbnis: Gütiger Gott, wir vertrauen deinem Verzeihen den Menschen an, der durch eine krankhafte Tat dem Leben unseres Bruders Roger ein Ende bereitet hat. Mit Christus am Kreuz sagen wir zu dir: Vater, verzeih ihr, sie wusste nicht, was sie tat.(1, S. 83)

Interview mit Kardinal Kaspers

drei Jahre nach dem Tod von Frère Roger

Im zurück liegenden Jahr 2010 jährte sich der Tod von Frère Roger aus Taizé zum fünften Mal. In einem Interview anlässlich des 3. Jahresgedenkens 2008 erinnerte Kardinal Kaspers an den Gründer und Prior der Communauté de Taizé. Kardinal Kaspers ist Vorsitzender des päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen und hat vor fünf Jahren Frère Roger beigesetzt. (unter dem Link www.taize.fr/de_article7350.html ist das Interview im Original einzusehen).

Literatur:

(1) Frère Roger. Taizé. Ein Bildband. hg: Communauté de Taizé. Freiburg im Breisgau 2006, S.16

(2) Regine Kuntz-Veit:Frère Roger - Die Güte des Herzens. Stuttgart 2005

(3) Jean-Claude Escaffit / Moiz Rasiwala: Die Geschichte von Taizé. Freiburg im Breisgau 2009

(4) Christian Feldmann: Frère Roger, Taizé. Gelebtes Vertrauen. Freiburg im Breisgau 2005

(5) Werner Milstein: Frère Roger, Taizé. für Frieden und Gerechtigkeit. Ein Porträt. Neukirchen-Vluyn 2006

(6) Olivier Clément: Taizé. Einen sinn fürs Leben finden. Freiburg im Breisgau 2006

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